Kurzbeschreibung
Alternative Lebensmittelnetzwerke (ALN) wie Food Coops und Community Supported Agriculture (CSA) sind im Trend. ALN sind soziale Innovationen im Kontext einer neuen Kultur der Transformation hin zu “Diverse Economies of Sustainable Food”. Sie zielen darauf, das Ernährungsverhalten auf regionale, saisonale und Bio-Lebensmittel auszurichten, eine umweltgerechte kleinbäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen, und Verpackung sowie Lebensmittelabfall zu reduzieren. ALN sind Schlüsselakteure zur Förderung nachhaltiger urbaner Lebensmittelkreisläufe. Im Zuge ihrer Entwicklung werden aber auch Hindernisse sichtbar: soziale Exklusivität; hohe Ansprüche an ProduzentInnen; wenig effiziente Logistik; kleine Produktpalette; z.T. unzureichende Leistbarkeit. Diese Schwellen behindern Multiplizierbarkeit und Upscaling von ALN. Weiterentwicklungen von ALN in anderen Ländern haben dagegen einen erheblichen Grad an Bedarfsdeckung, sozialer Inklusivität und sinnvoller economies und ecologies of scale erreicht. Diese Entwicklungen beruhen oft auf der sozial inklusiven Rechts- und Sozialform der Genossenschaft. Sie wird auch in Österreich für nachhaltige Entwicklung wiederentdeckt, ist aber noch nicht auf ALN hin ausgerichtet. Das Projekt reagiert auf die Zwillings-Herausforderung, ALN sozial und ökonomisch niederschwelliger und Genossenschaften innovativer zu gestalten. Beide Ansätze ergänzen einander, sodass die wechselseitigen Defizite in einer transformativen Synthese aufgehoben werden, die das Mainstreaming von alternativen Ansätzen im Lebensmittelsektor erlaubt. Ein förderlicher öffentlicher Diskurs unterstützt einen solchen Ansatz. Das Projekt setzt dazu zwei Gründungsimpulse, die mit aktivierender und partizipativer Forschung wissenschaftlich vorbereitet und begleitet werden, und bettet sie in eine lokal verankerte Diskursintervention zum Lebensmittelalltag ein: (1) für eine genossenschaftlich strukturierte CSA 2.0, mit KonsumentInnen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen, verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben, Gastronomiebetrieben und Körperschaften der öffentlichen Beschaffung als Mitgliedern; (2) für eine kommunale Support-Stelle für integratives Food Sharing, die die Gründung von Genossenschaften berät und weitere Sharing-Initiativen im Lebensmittelbereich unterstützt. Diese Impulse werden (3) von einer partizipativen Diskursintervention begleitet. Mit der digitalen App EthnoAlly können BürgerInnen ihre persönlichen Food Stories dokumentieren und so ihren Lebensmittelalltag kreativ aneignen und reflektieren. Das Projekt generiert daraus Food Story-Collagen, die in verschiedenen Formaten disseminiert werden. Pioneers of Food sammeln inspirierende Geschichten von Lebensmitteln aus ihrem persönlichen Alltag und verbreiten sie über social media-Kanäle des Projekts. Diese Aktivitäten fokussieren auf drei Stadtviertel in Graz mit unzureichender Nahversorgung und einem hohen Anteil marginalisierter Menschen: das Triesterviertel, das Jakominiviertel und Grünanger. Das Projekt hat folgende Ergebnisse: (1) ein Handbuch zur Gründung einer CSA 2.0, (2) ein Konzept zur Entwicklung einer kommunalen Support-Stelle für integratives Food Sharing, (3) eine langfristig wirksame Diskursintervention in Graz, (4) ein konkreter Arbeitszusammenhang für genossenschaftliche und lokal verankerte, sozial inklusive Räume der Transition und für eine neue Kultur sozialer Innovation.